Perkussions - Dienstgeweh

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden aus den Steinschloßgewehren mit gezogenen Läufen die Perkusionsgewehre entwickelt. Sie funktionieren im Gegensatz zu den Steinschloßwaffen sehr zuverlässig und wurden anfangs überwiegend im militärischen Bereich eingesetzt. Bei diesen "Dienstgewehren" benutzte man Kaliber-Durchmesser von ca. 58/100 Zoll (>16mm).
Die Ladung besteht aus 120-180gr Schwarzpulver (1gr[Grain]=0,065g[Gramm]) und einem "Minié" Expansionsgeschoß, dessen Hohlboden durch den Gasdruck in die Züge und Felder gepreßt wird und damit einen Gasdichten Abschluß des Verbrennungsraums ermöglicht. Diese Waffen waren bereits über relativ große Entfernungen sehr treffsicher, auch wenn der Rückschlag entsprechend heftig zu spüren ist.
Für den Zündvorgang wird im Gegensatz zu den Steinschloßgewehren nur noch das "Zündhütchen" benötigt. Das Zündhütchen wird auf das Piston aufgesetzt und durch den Hahnaufschlag gezündet. Der Zündstrahl wird in die Ladung geleitet und bringt diese zum Abbrennen. Dadurch wird eine schnelle und sichere Schußabgabe ermöglicht (auch bei feuchter Witterung).


Steinschloßpistole

Ende des 18. Jahrhunderts wurden diese Pistolen entwickelt. Sie waren anfangs mit glattem, später auch mit gezogenem Lauf ausgestattet. Die Kaliber hatten Durchmesser von ca. 45/100 Zoll bis über 60/100 Zoll (12 - >15mm). Es wurden bereits Mündungsgeschwindigkeiten über 300m/s und Mündungsenergien von knapp 400 Joule erreicht (zum Vergleich: Wettkampf-Luftgewehre haben ca. 7 Joule).
Die Ladung besteht je nach Kalibergröße und Lauf aus 20-50gr Schwarzpulver (1gr[Grain]=0,065g[Gramm]), trockenes oder gefettetes Pflaster und entsprechender Rundkugel.
Für den Zündvorgang wird noch der Flintstein und "Zündkraut" (sehr feines und zündwilliges Schwarzpulver) benötigt. Das Anschlagen des Flintsteins an die "Batterie" erzeugt die gewünschten Zündfunken, die dann hoffentlich in die "Pfanne" mit dem Zündkraut fallen und die Ladung abbrennen läßt.



Perkussionsrevolver

Kurz vor der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die bis dahin schon vorhandenen mehrläufigen Pistolen zu den Vorläufern der heute bekannten Perkussionsrevolver weiterentwickelt. Der Amerikaner Samuel Colt ließ als Erster seine Waffe in Europa und Amerika patentieren. Die Revolver, mit gezogenem Lauf, haben in der Regel eine Trommel für 5 oder 6 komplette Ladungen. Sie wurden je nach Verwendungszweck ab Kaliber 31/100 Zoll bis 54/100 Zoll (<8mm - >13mm) gebaut.
Die meisten Revolver hatten einen "Single-Action" - Abzug, das bedeutet, daß der Hahn von Hand gespannt werden muß. Einige Hersteller verbauten jedoch auch bei Perkussionsrevolvern schon "Double-Action" - Abzugsysteme, bei denen durch den Abzug sowohl der Hahn gespannt als auch die Trommel weitergedreht wird und die Waffe mit einer Hand wieder schußbereit gemacht werden kann.
Die Ladung besteht je nach Kalibergröße und Laufart aus 15-60gr Schwarzpulver (1gr[Grain]=0,065g[Gramm]) und entsprechender Rundkugel oder konischem Langgeschoß. Die Mündungsgeschwindigkeit kann schon Werte um 400m/s erreichen. Heute wird auf eine relativ schwach dimensionierte Pulverladung ein Zwischenmittel gefüllt (Hartweizengries oder Filzpfropfen) und nach dem Setzen der Rundkugel werden dei Kammern der Trommel mit einem Fett versiegelt, um Mehrfachentladungen zu vermeiden.
Für den Zündvorgang wird, wie bei den Perkussionspistolen, hinter jeder Ladung auf ein Piston ein "Zündhütchen" aufgebracht, deren Zündmasse beim Abziehen durch den Hahn zur Explosion gebracht werden und die Ladungen startet.



Perkussionspistole

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden diese Pistolen aus den Steinschloßpistolen entwickelt. Sie haben in der Regel gezogene Läufe. Bei den Kalibern wurden sogar Durchmesser ab ca. 31/100 Zoll (unter 8mm) bis über 50/100 Zoll (>12mm) hergestellt. Die mögliche Schußenergie entspricht etwa den Werten der Steinschloßpistolen.
Die Ladung besteht je nach Kalibergröße und Laufart aus 10-25gr Schwarzpulver (1gr[Grain]=0,065g[Gramm]), trockenes oder gefettetes Pflaster und entsprechender Rundkugel.
Für den Zündvorgang wird im Gegensatz zu den Steinschloßpistolen nur noch das "Zündhütchen" benötigt. Das Zündhütchen wird auf das Piston aufgesetzt und durch den Hahnaufschlag gezündet. Der Zündstrahl wird in die Ladung geleitet und bringt diese zum Abbrennen. Dadurch wird eine schnelle und sichere Schußabgabe ermöglicht (auch bei feuchter Witterung).


Perkussions - Scheibengewehr


Um auch für die Schußentfernungen unter 100m optimale Leistungen zu erzielen, wurden die Perkussions-Scheibengewehre entwickelt. Diese waren mit Dioptervisierungen, fein einstellbaren Stecer-abzügen und Kalibern unter 45/100 Zoll (12mm) ausgestattet. Auch wurden die Schäfte den Gegebenheiten angepaßt, so daß der stehende Schütze mit diesen Sportgeräten hervorragende Ergebnisse erzielen kann. Die Präzision derartiger Waffen, ob Original oder Replika, steht den modernen Scheibengewehren mit Patronenmunition kaum nach.
Die Ladung besteht aus 30-60gr Schwarzpulver (1gr[Grain]=0,065g[Gramm]) und einem Langgeschoß mit Fettrillen und Verformungszonen, die durch den vom Gasdruck erzeugten Staucheffekt den gasdichten Verschluß gegen die Züge und Felder ermöglicht. Einige Ausführungen dieser Waffen wurden auch mit Hohlbodengeschossen oder mit Pflaster und Rundkugel geschossen.
Der Zündvorgang ist derselbe, wie bei den anderen Perkussionsgewehren, allerdings werden hier grundsätzlich die schwächeren Zündhütchen verwendet.


Sportlicher Wettkampf mit Vorderladerwaffen
Mit Vorderladerwaffen wird eine große Zahl schießsportlicher Wettkämpfe bestritten. Für alle Disziplinen gilt: National sind in einer Wettkampfzeit von 40 Minuten 15 Schüsse abzugeben mit einer vorangestellten Zeitspanne von 10 Minuten für Probeschüsse; International müssen 13 Schüsse in 30 Minuten abgefeuert werden, von denen die 10 Schüsse mit dem höchsten Ergebnis gewertet werden - es sind jedoch vorher keine Probeschüsse gestattet. Allgemein giebt es bei Wettbewerben mit diesen Waffen gegenüber solchen mit modernen einen erheblichen Nachteil bei der Auswertung der Schießergebnisse. Bei modernen Waffen reicht die Beschädigung des nächsthöheren Ringes aus, um diesen Wert zu erhalten, bei Vorderladerdisziplinen muß die Mitte des Schußloches über dem nächsthöheren Ring liegen, um ihn zu erhalten.
Folgende Disziplinen werden national mit Kurzwaffen auf eine Entfernung von 25m auf die auch bei modernen Waffen üblichen Scheiben geschossen:
Steinschloßpistole (gezogener Lauf)
Perkussionspistole
Perkussionsrevolver
International ergibt sich eine veränderte Aufstellung:
Cominazzo = Steinschloßpistole - Original oder Replika (glatter Lauf)
Mannschaft = Wogdon (4 x Original oder Replika)
Kuchenreuter = Perkussionspistole - Original oder Replika
Mannschaft = Boutet (4 x nur Originale)
Mariette = Perkussionsrevolver - Replika
Mannschaft = Peterlongo (4 x nur Replika)
Colt = Perkussionsrevolver - Original
Bei den Langwaffen sind nachstehende Disziplinen national zu Schiessen:
Steinschloßgewehr - 50m - liegend - offene Visierung
Perkussions-Dienstgewehr - 100m - liegend - offene Viesierung
Perkussions-Freigewehr - 100m - liegend - Dioptervisierung
Perkussonsgewehr - 50m - stehend freihändig - Dioptervisierung
Steinschloßflinte
Perkussionsflinte
International verändert sich die Aufstellung erheblich und gilt für Repliken und Originalwaffen:
Tanegashima = Luntenschloßmuskete - 50m - stehend freihändig - offene Visierung (glatter Lauf)
Mannschaft = Nagashino (4 x Original oder Replika)
Hizadai = Luntenschloßmuskete - 50m - kniend freihändig - offene Visierung (glatter Lauf)
Mannschaft = Nobunaga (3 x nur Original)
Maximilian = Steinschloßgewehr - 100m - liegend - Dioptervisierung
Mannschaft = Wedgnock (3 x nur Original)
Miquelet = Steinschloßmuskete - 50m - stehend freihändig - nur Korn (glatter Lauf)
Mannschaft = Gustav Adolf (4 x nur Original)
Minié = Perkussions-Dienstgewehr - 100m - liegend - offene Visierung
Mannschaft = Pauly (4 x nur Original)
weitere Mannschaft: Versailles = Zusammenfassung von Pauly und Gustav Adolf
Whitworth = Perkussions-Freigewehr - 100m - liegend - Dioptervisierung
Mannschaft = Rigby (4 x Original oder Replika)
Walkyrie = Perkussions-Freigewehr nur Damen - 100m - liegend- Dioptervisierung
Mannschaft = Amazones (3 x nur original oder Replika)
Vetterli = Perkussionsgewehr - 50m - stehend freihändig - Dioptervisierung
Mannschaft = Pforzheim (4 x Original oder Replika)
Manton = Steinschloßflinte
Lorenzoni = Perkussionsflinte
Mannschaft = Hawker (2 x Manton und 2 x Lorenzoni - Original oder Replika